Preise & Kritiken
2018 auf der Shortlist des Kurd-Laßwitz-Preises für die Übersetzung von Anthony O’Neill, Dark Side (zusammen mit Gerd Rottenecker).
2021 Kurd-Laßwitz-Preis für die Übersetzung von N.K. Jemisin, Die große Stille (The Broken Earth).
Laudatio
Nora K. Jemisin wurde für ihre »Broken-Earth«-Trilogie mehrfach ausgezeichnet, und die Geschichte von begabten Außenseitern auf einem geologisch sehr aktiven Planeten überzeugt nicht zuletzt durch Wortgewalt der Autorin mit einer Fülle neu geschaffener Begriffe rund um Geologie und Plattentektonik, Vulkanismus und Seismologie, aber auch mit eindringlichen Szenen, wenn die komplizierten und komplexen Beziehungen der Protagonisten deren Denken und Handeln beeinflussen, antreiben oder behindern. Sie nutzt unterschiedliche Erzählformen zum Unterstreichen der verschiedenen Erzählperspektiven, beispielsweise die seltene Du-Form für die Passagen aus Sicht der Protagonistin Essun, oder eine direkte Ansprache an Essun in den Kapiteln einer anderen erzählenden Protagonistin.
Die Übersetzerin Susanne Gerold konnte die ungewöhnliche erzählerische Sprechweise des Originals und die Intensität der atmosphärischen Stimmungen in der deutschen Fassung erhalten, die unterschiedlichen Stile der drei Erzähler spiegeln sich auch in der Übersetzung wider. Die zahlreichen Wortneuschöpfungen der Autorin unter Einarbeitung und Verfremdung geologischer Fachbegriffe hat die Übersetzerin kongenial in deutsche Neologismen übertragen, die in ihrer Gesamtheit sehr homogen und authentisch wirken, so dass ihre Neuheit und Fremdartigkeit sehr schnell vergessen wird, die kreierten Begriffe und Neuverwendungen sind dem Leser so schnell vertraut, dass das Glossar kaum benötigt wird. Stattdessen kann man die treffende Übertragung knapper Dialoge oder die sensiblen Formulierungen in den berührenden Abschnitten bewundern, wenn es um den Umgang mit einer besonderen Fähigkeit geht, mit den Ängsten, sie nicht zu beherrschen und dadurch anderen zu schaden, aber auch dem Machtgefühl, das sie verursachen kann, und der Verantwortung, die damit einhergeht. Oder von der bedrückenden Ausgrenzung, die ihre Gabe bewirkt, und dem zerstörerischen Missbrauch, den eine falsche Verwendung erzeugt.
Und so zeichnet die Übersetzerjury des Kurd Laßwitz Preises Susanne Gerold für die Übersetzung der Trilogie »The Broken Earth« von Nora K. Jemisin in die deutsche Fassung »Die große Stille« mit dem Kurd Laßwitz Preis für die beste, erstmals 2020 erschienene Übersetzung eines Science-Fiction-Werks ins Deutsche aus.
Quelle: KLP-Treuhänder Udo Klotz